Von der Planung bis zum Betrieb
Was soll gesteuerung und überwacht werden?
Häufig beschäftigen sich Nutzer mit dem Thema Smart Home zunächst, weil sie sich für eine ganz bestimmte Anwendung interessieren wie beispielsweise die automatische Steuerung von Rollläden, die Sprachsteuerung der Beleuchtung oder die Überwachung der Terrasse. Bei der näheren Betrachtung zeigt sich jedoch schnell, dass eine einzelne Anwendung selten für sich allein steht. Wer beispielsweise seine Rollläden automatisieren möchte, stellt sich möglicherweise auch die Frage, ob die Fenster mit einer Sicherheitstechnik zur Einbruchserkennung ausgestattet werden sollten. Eine solche Überwachung lässt sich wiederum sinnvoll durch Kameras ergänzen, wodurch weitere Bereiche des Hauses in den Fokus rücken. Welche Möglichkeiten gibt es beispielsweise an der Haustür? Könnte eine intelligente Türsprechanlage mit Kamera, Bewegungserkennung und elektrischem Türschloss sinnvoll eingebunden werden? Aus einer zunächst einzelnen Anwendung entsteht so Schritt für Schritt ein ganzheitliches Smart-Home-Konzept. Deshalb sollte bereits bei der Planung betrachtet werden, welche Bereiche gesteuert, überwacht und miteinander verknüpft werden sollen – und nicht nur, welche einzelne Funktion zunächst im Mittelpunkt steht.
Welche Komponenten und wie werden sie vernetzt?
Nachdem geklärt ist, welche Bereiche gesteuert und überwacht werden sollen, stellt sich die nächste Frage: Welche Komponenten werden dafür benötigt und wie sollen sie miteinander kommunizieren? Bei der Auswahl der Sensoren, Aktoren und weiteren Geräte sollte deshalb nicht nur deren Funktion betrachtet werden, sondern auch die verfügbaren Möglichkeiten zur Vernetzung. Die Kommunikation kann beispielsweise über Funktechnologien wie WLAN, Zigbee oder Thread erfolgen, aber auch über LAN-Kabel, Zweidrahtleitungen oder sogar über das vorhandene Spannungsnetz. Daher ist zu prüfen, welche Übertragungsmedien in der jeweiligen Umgebung verfügbar sind und ob eine Funklösung sinnvoll, möglich oder aufgrund der baulichen Gegebenheiten sogar notwendig ist.
Glücklicherweise werden viele Smart-Home-Komponenten mit unterschiedlichen Schnittstellen angeboten. Kameras sind beispielsweise sowohl mit LAN-Anschluss als auch für die Kommunikation über WLAN erhältlich. Auch bei Sensoren gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Ein Temperatursensor kann je nach Modell über LAN, WLAN, Thread oder Zigbee angebunden werden. Dadurch besteht bei der Planung eine große Auswahl an technischen Lösungen. Ziel sollte es sein, eine möglichst einfache und zuverlässige Gesamtlösung zu schaffen, die gleichzeitig genügend Spielraum für spätere Erweiterungen bietet. Eine gute Planung berücksichtigt daher nicht nur den aktuellen Bedarf, sondern auch die Frage, welche weiteren Komponenten in Zukunft hinzukommen könnten.
Wie soll die Lösung umgesetzt und betrieben werden?
Nachdem festgelegt wurde, welche Anwendungen benötigt werden und wie die einzelnen Komponenten miteinander vernetzt werden können, stellt sich die Frage, wie die eigentliche Smart-Home-Lösung umgesetzt und betrieben werden soll. Grundsätzlich lassen sich dabei unterschiedliche Ansätze unterscheiden. Eine Möglichkeit ist eine Lösung aus einer Hand: Ein Hersteller bietet die benötigten Komponenten und Anwendungen als geschlossenes Gesamtsystem an und stellt sicher, dass diese miteinander funktionieren. Die komplette Smart-Home-Lösung kommt damit aus einem Haus, was die Auswahl, Einrichtung und Betreuung vereinfachen kann.
Eine Alternative ist eine offene Plattform-Lösung, in die Geräte und Komponenten unterschiedlicher Hersteller integriert werden können. Der Anbieter der Plattform übernimmt dabei die Aufgabe, die verschiedenen Geräte und Systeme miteinander zu verbinden und deren Zusammenspiel sicherzustellen. Auch Updates und die Weiterentwicklung der Plattform können Bestandteil dieses Angebots sein. Je nach Anbieter kann die Unterstützung noch weitergehen und auch den Betrieb und die Wartung der gesamten Smart-Home-Lösung umfassen. Für den Nutzer entsteht damit eine flexible Lösung, ohne dass er sich selbst um die technische Integration der einzelnen Komponenten kümmern muss.
Ein dritter Ansatz besteht darin, offene Community-Software einzusetzen. Die Software wird vom Nutzer eigenverantwortlich auf einem geeigneten Rechner installiert, konfiguriert und um die gewünschten Komponenten und Dienste erweitert. Dieser Ansatz bietet häufig besonders große Freiheiten bei der Auswahl und Integration von Geräten, setzt jedoch auch entsprechende technische Kenntnisse und die Bereitschaft voraus, sich selbst um Betrieb, Updates, Sicherheit und Wartung zu kümmern.
Damit stehen sich unterschiedliche Konzepte gegenüber. Diese reichen von der komplett betreuten Lösung aus einer Hand über die flexible, aber betreute offene Plattform bis hin zur eigenverantwortlich betriebenen Community-Lösung. Welche Variante geeignet ist, hängt letztlich davon ab, wie viel Flexibilität gewünscht wird und wie viel Verantwortung der Nutzer selbst übernehmen möchte.
An Anfang steht die Wunschliste
Smart Home Systeme sind kundenspezifische Lösungen, die nach Anforderungen des Anwenders und baulichen Randbedingungen entworfen, geplant und implementiert werden. Bevor mit dem Entwurf begonnen werden kann, sind einige Information zu erfassen und Anforderungen zu klären:
- Welche vorhandenen Geräte sind fernsteuerbar?
- Welche Kommunikationsinfratruktur wie LAN-Anschlüsse, WiFi-Hotspots, aber auch Stromleitungen oder Telefonkabel ist vorhanden beziehungsweise kann noch nachträglich installiert werden?
- Welche Funktionen sollen vom Smart Home unterstützt werden?
- Welche Schutz- und Sicherheitsfunktionen sind erwünscht?
- Soll das Smart Home System auch über Sprache und von unterwegs gesteuert werden können?
- Soll die Anlage von einem Anbieter installiert und gewartet werden oder ist der Anwender an einer offenen Lösung interessiert, die eigenverantwortlich aufgebaut und erweitert werden kann?
Die wesentlichen Anforderungen und Randbedingungen wurden in einem Frageboge zusammengefasst, der hier abgerufen werden kann.



